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Westwood, Vivienne

(*1941 Glossop)

Die englische Modedesignerin Vivienne Westwood (bürgerlich: Vivienne Isabel Swire) wuchs in kleinbürgerlicher Umgebung in einem Arbeiterdorf bei Manchester auf. Nachdem sie 1958 ein Semester lang die Harrow Art School besucht hatte, wurde sie Volksschullehrerin (sie unterrichtete bis 1971) und heiratete 1962 den Werkzeugmacher Derek Westwood, von dem sie sich 1965 wieder scheiden ließ. Im selben Jahr begegnete sie dem Kunststudenten Malcolm McLaren, der später Manager der Popgruppe »Sex Pistols« wurde. Mit ihm und mit Patrick Casey gründete sie im November 1971 in der Londoner »King's Road 430« ihren ersten Laden (»Let it rock at Paradise Garage«), den sie ihren Vorstellungen gemäß und dem jeweiligen Zeitgeist entsprechend immer wieder neu dekorierte und umbenannte. 1973 wurde die Boutique in Erinnerung an den frühen Tod James Deans in »Too Fast To Live, Too Young To Die« umbenannt. Ende 1974 entschloss sich Westwood zum Shopnamen »Sex« und verlagerte ihr Sortiment auf Fetischmode aus Leder und Latex.

Westwood entwarf und nähte eigenhändig die Mode für ihren Laden. Sie verarbeitete Konfektionsware, applizierte beispielsweise Hühnerknochen, färbte, kürzte, zerriss, verzierte die Stücke mit Ketten von Toilettenspülungen, um ihnen einen aggressiven und lieblosen »Do-it-yourself«-Look zu geben. Ihre wilden und vulgären Entwürfe trafen den Zeitnerv und die Gefühle der damaligen Jugend, der die Angst vor dem Erwachsenwerden und der Hippie-Idylle im Nacken saß. Aus diesen Anfängen entwickelte sich ein Fashion-Image, das sich ab 1976 unter dem Begriff »Punk« zu etablieren begann. Die Radikalisierung von Westwoods Weltsicht spiegelte sich auch in der weiteren Namensgebung ihrer Boutiquen: 1976 in »Seditionaries - Clothes for Heroes« (»Aufrührer«) und 1979 in »World's End«. Zu diesem Zeitpunkt war sie ihrer Zeit bereits wieder einen Schritt voraus und dekorierte ihre Boutique in der Art eines Segelkriegsschiffs aus dem 18. Jahrhundert. Dazu brachte sie 1981 ihre berühmte »Piraten«-Kollektion heraus, die sich mit wallenden Hosen und Rüschenhemden an Seefahrern orientierte. 1982 folgte eine Kollektion, die vollkommen in Tarn- und Schlammfarben gehalten war und »Nostalgia of the Mud« hieß. Diese ließ sie in Paris vorführen und war dort die erste englische Modemacherin seit Mary Quant in den 1960er Jahren. Die folgenden Kollektionen führte sie nach der Trennung von ihrem Mann (1983) gänzlich eigenständig durch. 1983 folgte »Witches«, die ethnische Einflüsse mit Konfektionsmode kombinierte. Mit »Cut and Slash« zeigte sie 1990 ihre erste Herrenkollektion in Florenz. Bei »Vive la Cocotte« (1995) verwendete Westwood typische Erkennungsmerkmale aus der Halbwelt-Mode und Stilelemente des Nude-Look. In ihrer »Five Century ago«-Kollektion von 1997 inszenierte sie sich selbst als Elizabeth I. Höfische Moden nahm sie immer wieder als willkommene Anregung für eine opulente Neukostümierung der Damen- und Herrenmode. Dabei bezog Westwood ihre Inspiration schon mal aus Watteau- und Boucher-Gemälden - oder auch von Coco Chanel. So sorgte sie mit hohen (Plateau-)Schuhen, Korsetts, hoch geschnürten Busen und betonten Hüften bei den Frauen für mehr erotische Anziehungskraft und bei den Männern mit taillierten Jacken und Pumphosen für mehr Androgynität.

Ende der 1980er-Jahre wurde Vivienne Westwood zur Gastprofessorin für drei Jahre an die Universität für angewandte Kunst Wien berufen. Dort lernte sie den Studenten Andreas Kronthaler kennen und heiratete ihn am 14. Mai 1992. Von 1993 bis 2005 nahm sie am Fachbereich Modedesign der Berliner Universität der Künste einen Lehrauftrag wahr.

Einen ersten Schritt in die Theaterwelt unternahm sie 1996 als Kostümbildnerin am Wiener Burgtheater. Dort arbeitete sie bei einer Theaterinszenierung der »Dreigroschenoper« mit.

Vivienne Westwood hat heute Dependancen in London, Paris und Tokio. Außer Modedesign entwarf sie auch Teegeschirr für Wedgwood und Swatch-Uhren. Darüber hinaus etablierte sie die Parfümmarken »Boudoir« und »Libertine« sowie die Körperpflegeserie »Les Coquetteries«. © Königsdorfer Medienhaus, Frechen (René Zey)

 

www.viviennewestwood.com

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